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DTM: Yogakurs, Dauerlutscher und ein grösserer Rückspiegel

Ekström:

21.12.2017 (Speed-Magazin.de) Die DTM hat in 2017 eine Menge Geschichten geschrieben. René Rast steht für ein Motorsport-Märchen. Es gab strahlende Sieger und rasante Rennen. Es gab aber auch Vorfälle und Unfälle. Wir haben uns ein paar besondere Szenen der Saison rausgepickt. In einer nicht ganz ernst gemeinten Umfrage unter den Protagonisten  wollten wir wissen, was würdest Du deinem DTM-Kollegen zu Weihnachten schenken – sei es als Entschuldigung oder zur Wiedergutmachung.

Für eine der am meisten diskutierten Szenen der Saison sorgte Timo Glock in Zandvoort. Der BMW-Pilot wähnte sich am Sonntag im zweiten Qualifying zunächst von Loïc Duval und anschließend von Edoardo Mortara auf dem Weg zur Poleposition behindert. Glock bremste den Mercedes-AMG-Piloten Mortara daraufhin auf der Strecke über mehrere Kurven rüde aus, was ihm eine Rückversetzung in der Startaufstellung von Platz fünf auf 18 einbrachte. Darüber hinaus beschimpfte er Mortara über den Funk. Einmal ordentlich in Fahrt grüßte er die Mechaniker in der Mercedes-Box auf dem Weg durch die Boxengasse noch mit dem Stinkefinger. Schon anderntags war Glock der Vorfall vom Vortag unangenehm. Sein Team hatte ihn zweimal falsch über die Lage informiert. „Schwierig, da es im Nachhinein betrachtet nicht sein Fehler war“, sagt der reuige Sünder Glock auf die Frage nach einem Geschenk für Mortara. Eine pfiffige Lösung hat er dann dennoch parat: „Einen größeren Rückspiegel.“

Ausgerechnet bei seinem Heimrennen in Spielberg am Sonntag erwischte es Lucas Auer. Nach 31 Runden musste der Mercedes-AMG-Pilot sein Auto mit beschädigtem Heck abstellen. Bruno Spengler hatte den Österreicher unverschuldet rausgedreht. Nach Platz acht am Vortag gingen „Luggi“ wichtige Punkte für die Gesamtwertung durch die Lappen. Der schuldbewusste Kanadier könnte sich infolgedessen sogar einen geselligen Abend mit seinem Kontrahenten vorstellen. „Ich würde ihm eine Flasche Whisky schenken, damit er einen schönen Abend hat. Ich habe mit ihm schon über unser kleines Tête-à-Tête in Spielberg gesprochen und mich bei ihm entschuldigt. Es war ein Rennunfall. Bei dem Überholmanöver ging es gar nicht um ihn, sondern um das Auto von Paul Di Resta. Er war einfach in der Kurve – unglücklich, dass ich ihn getroffen habe. Ich würde auch mit ihm trinken, obwohl ich selbst normalerweise keinen Whisky trinke. Vielleicht nehme ich dann etwas Anderes,“ sagt der BMW-Pilot.

Lucas Auer und Bruno Spengler
Lucas Auer und Bruno Spengler
© DTM | Zoom
Völlig unterschiedlich verlief die Saison der beiden Rookies. Während René Rast alle überraschte und sich in seinem Premieren-Jahr gleich den DTM-Titel sicherte, belegte sein Markenkollege bei Audi, Loïc Duval, den letzten und 18. Platz in der Gesamtwertung. „Ich würde ihm einen Yogakurs zu Weihnachten schenken. Somit kann er entspannt und super relaxed in die neue Saison starten und neu angreifen”, sagt Rast.

Ein verbales Duell lieferten sich Mattias Ekström und Marco Wittmann nach dem Rennen am Sonntag auf dem Norisring. Gleich zweimal gerieten die beiden vorher auf dem Stadtkurs aneinander. Beide Male beklagte sich der BMW-Pilot vom Schweden nicht genügend Platz für seine Überholversuche bekommen zu haben. In der letzten Kurve des Rennens schob er Ekström dann an. Der Schwede verlor in einem dramatischen Finish den sicher geglaubten Podestplatz an Edoardo Mortara. Im ersten Moment kochten die Emotionen hoch. „Ich glaube, er meint ein wenig der König zu sein, der machen kann, was er will", polterte Wittmann. Der Schwede lederte zurück: „Manchmal denke ich, ich sollte die Leute weniger unterhalten." Mittlerweile ist dies vergeben und vergessen. Einen kleinen Seitenhieb kann sich der Audi-Pilot, spitzbübisch wie er ist, dann aber doch nicht verkneifen. „Ich würde Marco Wittmann einen Dauerlutscher zu Weihnachten schenken, denn der macht glücklich.”

Eine schwierige Saison hatte Nico Müller bis zu seinen beiden Podestplätzen in Spielberg. Dem Schweizer wurde immer wieder vorgeworfen, das Feld einzubremsen, um Markenkollegen, insbesondere Mattias Ekström, zu unterstützen. Nach einem Zwischenfall am Nürburgring bezeichnete Timo Glock den Audi-Piloten gar als „Bremsklotz“. Der Schwede hat sich für Müller deshalb etwas ausgedacht: „Nico würde ich ein Antivirenprogramm schenken, das wehrt die bösen Attacken ab.“

Marco Wittmann und Mattias Ekström
Marco Wittmann und Mattias Ekström
© DTM | Zoom
In den schlimmsten Unfall der Saison waren Gary Paffett und Mike Rockenfeller verwickelt. In der 33. Runde des Rennens am Sonntag auf dem Norisring fuhren Jamie Green und Paffett Tür an Tür mit über 250 km/h auf die erste Haarnadelkurve zu. Es gab eine kurze, leichte Berührung, dann hebelte eine Bodenwelle Paffetts Mercedes-AMG förmlich aus. Der 36-jährige knallte mit der Fahrzeugfront voraus vehement in die Leitplanke, drehte sich unkontrolliert zurück auf die Strecke, wo der Mercedes-AMG mit großer Wucht in die Fahrertür des Audi RS 5 DTM von Mike Rockenfeller krachte.

Was so spektakulär und fürchterlich aussah, nahm einen glimpflichen Ausgang. Paffett hatte viele blaue Flecken und ein paar Schnittwunden. Etwas schlimmer erwischte es Rockenfeller. Der DTM-Champion von 2013 trug einen Bruch des fünften Mittelfußknochen im linken Fuß davon und fuhr beim anschließenden Rennen in Moskau dennoch auf Platz zwei. Der 36-Jährige beantwortet die Frage mit britischem Humor: „Rocky habe ich ja sogar einen Gefallen getan - so gut wie er in Moskau mit dem rechten Fuß gefahren ist. Dass er den linken Fuß gebrochen hatte, hat ihm sogar geholfen. Also, was schenkt er mir? Ich würde ihm einen Spazierstock schenken mit der Inschrift Gary Paffett. Wenn er ein alter Mann ist, kann er sich immer daran erinnern, wer seine Schmerzen verursacht hat.“

Und auch für den aus der DTM in die IndyCar-Serie wechselnden Freund Robert Wickens hat Paffett eine zündende Idee: „Robert war viele Jahre mein Teamkollege bei Mercedes-AMG in der DTM. Er hat etwas ganz Besonderes verdient. Am besten hätte er ständig eine Mini-Ausgabe von mir auf seiner Schulter. Dieser Gary würde ihm dann sagen, wann er besser seinen Mund hält. Oder ich stelle Fotos von mir auf. In seinem Haus, überall. Oder wir legen eine Pappfigur von mir in seinen Kofferraum. Wenn er mich dann sieht, dann denkt er erstmal darüber nach, was er sagt. Eigentlich müsste er aber mir was schenken, weil ich ihm so oft geholfen habe.“


DTM / RB


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