zur Startseite

DTM: Wittmann im Glückstaumel

BMW-Pilot nach erstem Sieg im Heimrennen außer Rand und Band

25.06.2018 (Speed-Magazin.de) In Köln beginnt am Elften im Elften der Karneval. Auch Marco Wittmann wurde am Sonntag nach seinem insgesamt elften DTM-Sieg mit seinem BMW mit der Startnummer elf ausgerechnet beim Heimrennen am Norisring narrisch. Der Jubel des gebürtigen Fürthers war grenzenlos. „Mega, mega, mega, das war das Rennen meines Lebens. Dass es so weit nach vorne geht, hätte ich nie gedacht. Vor allem von P7 kommend“, sagte er überglücklich.

Wittmann kletterte aus seinem Auto, stieg auf die Motorhaube und reckte immer wieder die Arme enthusiastisch in die Höhe. Danach hüpfte er völlig entrückt in die Arme seiner Mechaniker und Ingenieure, bevor er nach dem Stage Diving jubelnd mit großen Schritten über die Start-/Zielgerade in Richtung der voll besetzten Steintribüne rannte und begeistert seinen Fans zuwinkte. Der zweimalige DTM-Champion wäre in dem Moment wohl nur noch mit einem Lasso einzufangen gewesen. Zu guter Letzt sprang ihm auf dem Weg zum Siegerpodest auch noch Teamchef Stefan Reinhold mit Anlauf in die auffangbereiten Arme.

Marco Wittmann jubelt nach seiner Siegesfahrt den Fans auf der Tribüne zu
Marco Wittmann jubelt nach seiner Siegesfahrt den Fans auf der Tribüne zu
© DTM | Zoom
Tags zuvor hatte Wittmann bereits eine erste Rechnung beglichen. Seit 2013 fährt der gebürtige Fürther in der DTM. Zweimal war er Vierter, einmal Fünfter und zweimal Sechster auf dem einzigen Stadtkurs der Tourenwagenserie gewesen. Aber für einen Podestplatz auf dem Norisring – seine Heimrennen – langte es nie. Und dann kam dieses für ihn unvergessliche Wochenende. Auf Platz drei am Samstag folgte der Triumph am Sonntag.

Wittmann löst Wettschuld nicht ein
„Ich habe die zwei Stufe auf dem Podest heute einfach mal ausgelassen. Das ist wunderschön, unbeschreiblich. Ich habe es hier schon so oft versucht, und es hat nie geklappt. Der Heimsieg ist für mich fast gleichrangig mit meinen beiden Titeln“, sagte Wittmann. Gönnerhaft verzichtete er später auch auf die Einlösung einer Wettschuld. Wolfgang Schlosser, der Vorstandsvorsitzende des ausrichtenden Motorsport Club Nürnberg, hatte mit dem BMW-Piloten vor vier Jahren gewettet, falls er gewinnen würde, würde er sich seine schulterlangen grauen Haare abschneiden. „Seiner Frau gefallen die Haare sehr. Deshalb lassen wir die Haare dran und ich genieße meinen Sieg.“

Nach zehn Runden fuhr Wittmann zum Boxenstopp. Und danach zündete er den Turbo. Er pflügte förmlich durch das Feld, fuhr wie entfesselt. In Runde 16 passierte er Edoardo Mortara. In Runde 23 war dessen Markenkollege Daniel Juncadella fällig. „Wir haben richtig gestoppt. Wir hatten eine ähnliche Strategie wie gestern. Daniel war auf kalten Reifen. Der Undercut ist hier generell schwierig. Während die anderen sich bekämpft haben, konnte ich den Abstand vergrößern. Gerade in der Anfangsphase von meinem zweiten Stint habe ich extrem gepusht und meine Reifen hart rangenommen“, erklärte er.

Am Ende wurde es nochmal sehr eng

Da hatte Wittmann die Mercedes-AMG-Meute noch vor sich
Da hatte Wittmann die Mercedes-AMG-Meute noch vor sich
© DTM | Zoom
Gegen Ende des Rennens schmolz der Vorsprung immer weiter zusammen. Die beiden Verfolger kamen sogar ins DRS-Fenster. Wittmann wehrte sich nach Kräften und raste letztlich 0,450 beziehungsweise 0,860 Sekunden vor den beiden Mercedes-AMG-Piloten über den Zielstrich. „Ich war am Limit. 15 Minuten vor dem Ende habe ich geschaut, wieviel Zeit im Rennen noch übrig ist. Gefühlt war es eine Stunde. Beide haben unglaublich Druck gemacht von hinten“, so Wittmann. „Heute Abend werden wir sicher noch eine Flasche Wein köpfen. Dann habe ich eine Woche Urlaub, da kann ich meine Batterien aufladen und dann freue ich mich auf Zandvoort. Dort war ich auch immer sehr erfolgreich.“ Die Jagd auf das Champion-Triple ist vor den beiden Rennen an der niederländischen Nordseeküste eröffnet. In der Fahrerwertung führt Gary Paffett mit 99 Punkten, vor Mortara (93) und Wittmann (92), der punktgleich mit Timo Glock Dritter ist. Paul Di Resta ist mit 87 Punkten ebenfalls aussichtsreich positioniert.


DTM / RB


Die Mobile-App von Speed-Magazin.de