zur Startseite

DTM: Superman, Montreal und ein Waschbär

Spengler über Titelchancen:

09.09.2017 (Speed-Magazin.de) Bruno Spengler fährt seit über zwölf Jahren in der DTM. Der Kanadier gehört zu den beliebtesten Fahrern im Feld. Auf dem Nürburgring gewann er bereits dreimal ein Rennen. DTM sprach mit dem 34-Jährigen über seine Jugendzeit in der Heimat und über seine Ziele fürs Wochenende.

Du hast am 17. April 2005 dein erstes Rennen in der DTM bestritten. 151 Rennen, 15 Siege und einen Titel 2012 später – was ist in deinem Gedächtnis von dieser langen Zeit am ehesten haften geblieben?
Viel. Sehr viel Positives, viele Siege, meine Meisterschaft. Natürlich gab es auch eine Zeit, in der ich Pech hatte. Aber das gehört halt dazu. Die DTM war immer schon eine superschwere Serie. Da hat sich nichts geändert. Die Lernkurve hört nie auf. Man kann nicht immer gewinnen und vorne sein. Aber es war und ist eine tolle, interessante Zeit. Ich hatte und habe viel Spaß. Durch die Jahre in der DTM habe ich viel über Rennsport, -autos, über Entwicklung, über Menschen allgemein und über mich selber gelernt. Und es geht ja weiter.

Du giltst auf und neben der Strecke als fairer und höflicher Fahrer. Bist du immer der „Mr. Nice Guy“? Oder gibt es auch Situationen, bei denen Du die Contenance verlierst? Hast Du auf der Strecke auch schon mal, ähnlich wie Timo Glock zuletzt in Zandvoort, Dampf abgelassen?

Spenglers BMW M4 DTM
Spenglers BMW M4 DTM
© DTM | Zoom
Jeder hat mal solche Momente. Ich bin ein emotionaler Mensch. Es gab schon Situationen bei mir, wo es auf der Strecke ordentlich gescheppert hat und wo ich mich sehr geärgert habe. 2007 in Zandvoort habe ich mal ein Schimpfwort vor der Kamera gesagt, weil mir jemand ins Auto gefahren war. Wenn ich zufrieden bin, sieht man das, aber auch wenn ich unzufrieden bin. Ich bin halt so. Ich sage, wie es ist. So funktioniere ich halt am besten.

Ich habe mir sagen lassen, Du kommst aufgrund deines Charmes gut bei den weiblichen Fans an. Wie erklärst Du dir das?
Okay. Das weiß ich nicht. Das müssen andere beurteilen. Ich kann das nicht erklären. Über sich selber zu sprechen, ist schwierig.

Du bist Kanadier, in deinem Land ist Eishockey der Nationalsport. Hast Du es schon mal ausprobiert?
Ja, früher in der Schule und aus Spaß, aber nie wirklich in einem Team. Ich finde Langlauf schöner. Das war mein Sport. Ich bin viel Skating gefahren, seit ich zehn Jahre alt wurde. Das ist ein harter Sport, aber er ist cool. Zurzeit habe ich ein paar Mal Biathlon ausprobiert. Ich habe da auch das eine oder andere Event mit BMW gemacht.

Dein Vater hat in einem Tierpark gearbeitet. Du bist mitten in den wunderschönen Wäldern von Kanada aufgewachsen. Du hattest sogar einen eigenen Waschbären. Wie war das damals für Dich?
Das war eine tolle Zeit. Das ist richtig. Der Waschbär hieß Vortex. Er war nach dem Motor von meinem Go-Kart benannt. Ich hatte auch mal zwei Baby-Bären, da war ich 13 oder 14. Die hatten wir im Wald ohne Eltern gefunden, und dann haben wir die eine Zeitlang aufgezogen und später wieder in die Freiheit übergeben.

Mit wem würdest Du gerne mal für einen Tag tauschen?
Mit Superman, weil der fliegen kann. Aber nur einen Tag, dann möchte ich wieder rennfahren.

Rennfahren ist ähnlich wie Schwimmen. Das verlernt man nicht. Dennoch erleben Fahrer immer wieder Höhen und Tiefen im Laufe ihrer Karriere. Wie groß ist der Anteil eines Piloten am Ergebnis bei einem Rennen? Welche Komponenten spielen da noch eine Rolle?
Für mich hat der Fahrer 50 Prozent Anteil. Wenn dein Auto nicht zu hundert Prozent passt, kannst Du nicht unter die Top drei fahren. Egal, wie gut Du deinen Job machst. Das gilt aber genauso umgekehrt. Und dann gehört auch noch ein bisschen Glück dazu, dass du keinen Reifenschaden oder technischen Defekt oder ähnliches hast. Das ist das schwierige im Rennsport, da muss so viel zusammenkommen, dass du gewinnen kannst. Im Tennissport oder beim Golf liegt es nur an dir selber.

Deinen BMW haben die Fans aufgrund seines mattschwarzen Designs „Black Beast“ getauft. Nach Siegen küsst Du traditionell die Motorhaube. Wie kamst Du ursprünglich auf die Idee?

Spengler nach einem Sieg
Spengler nach einem Sieg
© DTM | Zoom
Das ist 2006 in Zandvoort entstanden. Als ich aus dem Auto ausgestiegen bin, ging es mir durch den Kopf, dass ich mich irgendwie bei meinem Team bedanken möchte. Und deshalb bin ich auf mein Auto gesprungen und habe es umarmt und geküsst. Es war sehr spontan.

Welche Strecke würdest Du nächstes Jahr gerne zusätzlich im DTM-Kalender haben?
Montreal. Mein Heimrennen. Die Strecke würde auch sehr gut für die DTM-Autos passen. Ich bin mir sicher, dass die kanadischen Fans, die DTM lieben würden. Sie mögen Show, sie mögen schnelle, laute Autos und sie sind sehr motorsportbegeistert. Da wären viele Zuschauer und ich würde mich freuen, mal zu Hause zu fahren.

Du hast in der Eifel schon drei Mal (2006, 2010 im Mercedes) und (2012 im BMW) gewonnen. Wieviel würdest Du auf den vierten Sieg von Dir an diesem Wochenende am Nürburgring setzen?
Ich setze nie auf meine Ergebnisse. Ich gebe mein Bestes und versuche, so weit wie möglich vorne zu sein. Ich mag den Nürburgring, ich mag die Eifel. Die Zuschauer sind immer da, egal bei welchem Wetter. Die Bedingungen sind hier immer schwierig, es kann regnen, es kann manchmal sogar schneien. Ich bin dieses Jahr das erste Mal das 24h-Rennen auf der Nordschleife gefahren. Man sagt, du brauchst mindestens ein bis zwei Versuche, um dich hier wohlzufühlen. Es war eine tolle Erfahrung. Die Chancen sind gut. Aber man muss schauen, was die Konkurrenz macht. Es ist alles so eng beieinander, es muss alles passen. Mercedes ist stark im Regen. Es ist schwierig zu sagen, ob ich gewinne oder nicht. Dafür werde ich aber auf jeden Fall alles tun.

Du bist mit 62 Punkten Zehnter in der Gesamtwertung. Du hast 66 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Mattias Ekström. Rechnest Du dir noch Chancen auf den Titel aus?
Es ist mathematisch noch möglich, aber realistisch ist es wohl eher nicht. Der Rückstand ist einfach zu groß, für die Meisterschaft wird das nicht mehr reichen. Ich fokussiere mich auf die einzelnen Rennen und versuche maximal zu punkten bis zum Saisonende. Und dann schauen wir mal, wo wir liegen.


DTM / ND


Die Mobile-App von Speed-Magazin.de