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DTM: Rechts vor links? Nicht in der DTM

Lucas Auer:

03.08.2017 (Speed-Magazin.de) Lucas Auer war der Erste, der das Thema auf den Tisch brachte. „In den letzten 20 Runden habe ich einen brutalen Krampf in meinem linken Fuß bekommen, ich musste sogar mit rechts bremsen. Das war ein komplettes Desaster. Deshalb bin ich mit Platz zwei natürlich auch sehr happy. So etwas ist mir noch nie passiert“, schilderte der Mercedes-AMG-Pilot sein Dilemma während des zweiten Laufes am Norisring. Der Stadtkurs erforderte aufgrund seiner Strecken-Charakteristik auch häufigeres verschärftes Bremsen. Im selben Rennen brach sich Mike Rockenfeller nach einer Kollision mit dem Mercedes-AMG von Gary Paffett den linken Mittelfuß. Während Auer sich nur in der Schlussphase des Laufes umstellen musste, bestritt „Rocky“ in Moskau dann zwei komplette Läufe mit dem rechten Fuß. Also eine nochmal etwas andere Ausgangssituation.  

„Ich bin es ja gewohnt. Ich werde das am Simulator adaptieren. Wenn man mit rechts bremst, dann braucht man den linken Fuß nur zum Anfahren und zum Boxenstopp, sprich beim Starten, wie beim ganz normalen Pkw auch mit Handschaltung. Ich bin immer beides parallel gefahren. Wenn ich in Amerika Corvette fahre, bremse ich rechts oder am Nürburgring mit dem R8 auch. In der DTM eben links“, sagte der Audi-Pilot im Vorfeld. Und diese Umstellung funktionierte insbesondere am Samstag auf dem Moscow Raceway sehr gut und bescherte ihm Platz zwei im Endklassement. „Damit haben nicht viele gerechnet, dass wir das hier so schaffen. Umso stolzer bin ich. Ich glaube, das ist nicht so einfach mal eben mit rechts zu bremsen und trotzdem in der DTM vorne zu sein“, sagte Rockenfeller, der auf Krücken zur Siegerehrung kam, später.

Rocky brach sich am Norisring den Mittelfuß
Rocky brach sich am Norisring den Mittelfuß
© DTM | Zoom
Diese beiden Ereignisse veranlassten DTM.com bei den DTM-Piloten einmal nachzufragen: Rechts, links, oder beides? Wie haltet ihr es mit dem Bremsvorgang? Dabei wurden sehr unterschiedliche, facettenreiche Aussagen zu Tage gefördert. Zusammenfassend gilt es festzuhalten, es gibt keine allgemeingültige Regel: Mal ist es Vorliebe, mal Gewohnheit oder mal schlichtweg nur Kalkül, welchen Fuß der Fahrer zum Bremsen wählt.

„Ich habe in meiner Formel-Sport-Karriere ganz am Anfang in der Formel BMW mit rechts gebremst. Nach einem Jahr habe ich mich dann auf links bremsen umgestellt. In Meisterschaften, wo es nicht auf die letzte Tausendstel ankommt, gerade im Langstreckenbereich ist es kein Nachteil. Das macht da keinen großen Unterschied, weil es mehr über die Distanz geht und es auf die Konstanz ankommt. In der DTM ist das schwer zu sagen, ein Vorteil ist es sicher nicht, weil es super eng zur Sache geht und du den Wechsel vom Gas auf die Bremse mit dem rechten Fuß machen musst. Das kostet effektiv ein bisschen Zeit. Es ist vielleicht ein minimaler Nachteil“, erklärt DTM-Titelverteidiger Marco Wittmann. Markenkollege Maxime Martin, ein ausgewiesener Langstrecken-Experte, sieht das pragmatischer: „Das ist eine Frage der Präferenzen. Es macht keinen Unterschied. Von 2005 bis 2009 habe ich in verschiedenen Serien immer mit rechts gebremst. Es ist am Ende das selbe. Wenn du nur den linken Fuß gewohnt bist, dann ist es schwierig. Dann braucht es Zeit, um sich darauf einzustellen.“

Engel:
Engel: "Ich bremse seit vielen Jahren mit links, seit der Formel 3."
© DTM | Zoom
Als reiner Links-Bremser outet sich hingegen Audi-Pilot René Rast: „Gerade im DTM-Auto hilft das links bremsen schon, um die Nase unten zu halten. Deswegen muss ich den Hut vor Rocky ziehen, dass er das mit dem Rechtsbremsen so gut hinbekommen hat, und mit seiner Pace vorne dabei war. Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte. Ich bremse immer mit links. Das ist wie im Go-Kart, die Pedale sind so angeordnet, dass man physikalisch die beste Position hat. Man ist so auch mit den Füßen schneller, ich habe noch in keiner Serie mit rechts gebremst.“

Mercedes-AMG-Pilot Maro Engel fährt unterdessen regelmäßig auch in einer Serie, in der rechts bremsen unmöglich ist: „Ich bremse seit vielen Jahren mit links, seit der Formel 3. Ich gehöre noch zu der Generation, die angefangen hat, mit rechts zu bremsen. Ich bremse nur bei den klassischen Autos mit rechts. Grundsätzlich kann man mit beidem schnell sein, da gibt es nur minimale Unterschiede. Man hat es gesehen bei Mike, der Zweiter geworden ist. Gerade im Sportwagen-Bereich bremsen viele noch mit rechts, weil es einfach Sprit spart. Sie sind es dadurch gewohnt und behalten es auch bei. Bei der Formel E oder der Formel 1 geht es gar nicht mehr und auch das DTM-Auto ist grundsätzlich darauf ausgelegt mit links zu bremsen, aber man kann noch mit rechts bremsen.“ Was „Rocky“ in Moskau eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat…


DTM / ND


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