zur Startseite

DTM: Jamie Green "Es war einfach nicht mein Wochenende"

03.10.2017 (Speed-Magazin.de) Jamie Green war der Schnellste, und dennoch nicht der Beste. Das Rennwochenende in Spielberg verlief unglücklich für den Audi-Piloten. Am Samstag musste Green auf dem Red Bull Ring Markenkollege Mattias Ekström im Kampf um den Sieg im Sinne des Teams kurz vor Schluss des Rennens den Vortritt lassen. Tags darauf bremsten Green an erster Stelle liegend Schaltprobleme aus. Er verlor den sicheren Sieg und fiel noch bis auf Platz 14 zurück. Mit dem Abstand von ein paar Tagen sprach DTM mit Green und ließ sich einen Einblick in seine Gefühlswelt geben.

Du warst in Spielberg der schnellste Fahrer über das ganze Wochenende gesehen. Zwei Pole-Positionen, die beiden schnellsten Rennrunden usw. Du hättest beide Rennen gewinnen können. Und dann hast du insbesondere am Sonntag so ein Pech. Wie hast du in der Nacht von Sonntag auf Montag geschlafen? Hattest du Alpträume?
Nein, hatte ich nicht. Es war ein Jammer. Aber es ging nicht um Leben oder Tod. Generell schlafe ich am Abend nach einem Rennwochenende schlecht. Du bist vorher die ganze Zeit so beschäftigt, zwei Qualifyings, zwei Rennen. Wenn es in Richtung Sonntagabend geht, ist dein Gehirn so verwirbelt. Es gehen Dir so viele Gedanken durch den Kopf, egal wie die Resultate waren. Ich brauche immer einen gewissen Zeitraum, um mich wieder zu erholen. Es dauert nach jedem DTM-Rennen drei, vier Tage bevor ich wieder zur Normalität zurückkehren kann.

Hast Du dich in den letzten Tagen mal gefragt, wie kann ich so viel Pech haben? Warum ausgerechnet ich? Vor zwei Jahren ist Dir dasselbe passiert in Spielberg…

Volle Konzentration auf Hockenheim: Jamie Green
Volle Konzentration auf Hockenheim: Jamie Green
© DTM | Zoom
Das ist verrückt, oder? Ich hatte damals ein sehr, sehr ähnliches Problem. Wieder konnte ich die Gänge über die Schaltpaddle am Lenkrad nicht einlegen. Dass mir das zweimal in Spielberg passiert, ist ein bisschen irre. Aber am Ende des Tages kann ich nichts dagegen machen. Ich muss weiterkämpfen und im nächsten Rennen wieder mein Bestes geben.

Wie gehst Du mit einem solch herben Rückschlag um? Wie verarbeitest Du das?
Das ist eine Frage des Blickwinkels. Wenn mein ganzes Leben nur aus der DTM bestehen würde, dann würde es mir eventuell sehr zu schaffen machen. Aber grundsätzlich bin ich sehr glücklich mit meinem Leben. Motorsport ist ein Teil davon, es ist mein Beruf, meine Karriere. Ob ich glücklich bin, hängt nicht allein davon ab. Ich sehe das positiv und bin stolz darauf, dass ich so schnell war in Spielberg. Dass ein Fahrer an einem Wochenende zwei Pole-Positionen holt, ist sehr selten in der DTM. Dass mit meinem Auto etwas nicht funktionierte, versetzt mich nicht in eine negative Grundstimmung, weil ich das nämlich nicht kontrollieren kann. Das kommt vor. Und es wird immer wieder im Motorsport vorkommen.

Mit zwei Siegen wärst Du der Führende in der Gesamtwertung gewesen. Trauerst Du dieser verpassten Gelegenheit noch nach?
Nicht wirklich. Am Samstag ging es darum, Audi zu helfen und ein Teamplayer zu sein. Sonntag war ein anderes Thema. Das gehört dazu, wenn Du professioneller Rennfahrer bist. Das war nicht mein Wochenende. So einfach ist das.

Was ist jetzt dein Ziel für das Finale Hockenheim? Rechnest Du dir noch Chancen im Titelkampf aus?
Wir werden sehen, was erreichbar und realistisch ist. Das Ziel ist, wie bei jedem Rennen, so schnell zu sein, wie möglich. Was dabei herauskommt, wird sich zeigen. Als Audi-Fahrer ist es mein Job, das Beste für das Team herauszuholen und Mattias zu unterstützen. Das hängt natürlich auch vom Verlauf der Rennen ab, was für mich drin sein wird. Ich bin motiviert und hungrig. Beim Finale ist die Atmosphäre immer toll. Ich habe dort schon viermal gewinnen können. Wenn ich in Hockenheim wieder ein Rennen gewinnen könnte, wäre das phantastisch.


DTM / ND


Die Mobile-App von Speed-Magazin.de