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DTM: Gary Paffett „Ich will den Titel gewinnen“

Den Briten und den Schotten Di Resta verbindet eine gesunde Rivalität

11.09.2018 (Speed-Magazin.de) Zwei Punkte trennen Gary Paffett (206) und Paul Di Resta (204) vor den letzten vier DTM-Rennen in Spielberg und beim Finale in Hockenheim. Am Nürburgring erlebten beide ein Wechselbad der Gefühle. Bei beiden lief nicht alles rund in der Eifel. „Ich bin hier als Zweiter in der Meisterschaft angereist und fahre als Erster wieder ab. Aus diesem Grund kann man es als gutes Wochenende bezeichnen. Es hätte mehr dabei rauspringen und der Vorsprung könnte größer sein. Aber ich liege vor Paul. Und ich hatte das Gefühl, dass ich an diesem Wochenende ihm gegenüber einen Vorteil in der Pace hatte“, sagt Paffett, dessen größter Widersacher zu Beginn der Saison noch Timo Glock gewesen war. Der BMW-Pilot führte in den ersten sechs Rennen vier Mal die Fahrerwertung an. Mittlerweile ist Glock mit 119 Punkten auf Rang sechs abgerutscht.

Am Samstag stellte Paffett seinen Mercedes-AMG auf Startplatz zwei, als Dritter des Rennens schaffte es der Champion von 2005 aufs Podium. In der Endphase verteidigte er gegen Glock seinen Platz auf dem „Stockerl“. Am Sonntag hatte der 37-Jährige Pech. Sein Pflichtboxenstopp in Runde 19 dauerte 11,1 Sekunden, weil es Probleme beim Wechsel des rechten Hinterrads gab. Statt auf Platz zwei hinter Rast, sortierte er sich vier Plätze weiter hinten ein und wurde am Ende hinter BMW-Pilot Bruno Spengler Fünfter.

FEHLER AN DER BOX KOSTETE PAFFETT FÜNF POSITIONEN

Paffett und Di Resta kämpfen um die Krone
Paffett und Di Resta kämpfen um die Krone
© DTM | Zoom
„Du sitzt im Auto und hörst wie die Reifen gewechselt werden, du siehst wie sich die Jungs bewegen. Du wartest und machst dich bereit, loszufahren. Und dann geht es nicht weiter. Die Zeit vergeht, die anderen ziehen an dir vorbei und du kannst nichts machen. Die Jungs in der Box fühlen sich am schlechtesten nach so einem Fehler. Dafür trainieren sie das ganze Jahr über hart. Wir müssen dafür sorgen, dass es nicht wieder vorkommt. Aber Fehler sind menschlich. Es ist halt nur sehr ärgerlich, wenn es dich fünf Positionen auf der Strecke kostet“, schilderte Paffett später das Missgeschick seiner Crew.

PAFFETT: „DER ERSTE, DEN ES ZU SCHLAGEN GILT, IST DER TEAMKOLLEGE“
13 Jahre nach seinem bisher einzigen Titel in der DTM ist Paffett ehrgeizig. Er bringt es klar auf den Punkt: „Ich glaube nicht, dass meine Zukunft davon abhängt, ob ich die Meisterschaft gewinne. Aber ich will sie gewinnen.“ Sein Verhältnis zu Markenkollege Di Resta dürfte der zu erwartende harte Fight in der Endphase der Saison aber nicht belasten. Dazu sind beide zu sehr Profis. „Wir kennen uns schon lange. Wir sind Freunde und sprechen an einem Rennwochenende auch mal über private Dinge. Aber wir sind auch Rivalen. Der Erste, den es zu schlagen gilt, ist der Teamkollege. Wenn man gegen jemand anderen fährt, hat man immer die Ausreden, dass er ein besseres Auto hat. Aber wenn es dein Teamkollege ist, der dich schlägt, dann hat er einen besseren Job gemacht. Es ist ein heißer Zweikampf auf einer gesunden Basis.“

DI RESTA WILL DIE ELLENBOGEN AUSFAHREN, WENN NÖTIG

Starke Performance in der zweiten Saisonhälfte: Rast
Starke Performance in der zweiten Saisonhälfte: Rast
© DTM | Zoom
Am Samstag hatte Di Resta noch getobt, nachdem ihn BMW-Pilot Philipp Eng in Runde zwölf von der Strecke gedreht hatte und er Letzter wurde („Seine Taktik war klar: Ich war der Feind Nummer eins. Das war sehr unfair. Ich hätte mir mehr Sportsgeist gewünscht“), verlief der Sonntag versöhnlich für den Schotten. Er fuhr von Startplatz elf auf den zweiten Platz vor. „Das ist eine nette Wiedergutmachung. Hoffentlich fällt mir der Samstag nicht noch auf die Füße, wenn man auf Platz vier liegt und rausgekegelt wird. Ich konnte im Sonntagsrennen Schadensbegrenzung betreiben und habe immer noch eine sehr gute Ausgangslage. Du musst kampfbereit sein, um in den Kampf eingreifen zu können. Wenn ich die Ellenbogen ausfahren muss, werde ich das machen.“

DIE MERCEDES-AMG-PILOTEN SCHAUEN MIT EHRFURCHT AUF RAST
Beide Mercedes-AMG-Piloten haben aber auch einen Blick in den Rückspiegel. Denn da kommt nach einem perfekten Wochenende am Nürburgring mit Siebenmeilenstiefeln René Rast angebraust. Der Champion liegt mit 149 Punkten schon auf Rang drei. „René war in den letzten sechs Rennen der erfolgreichste Fahrer. Ihn darf man auf keinen Fall unterschätzen. Durch die Regeländerung in Bezug auf den Luftdruck der Reifen ist es im Titelkampf enger geworden. Es ist aber wie es ist. Es ist für alle dasselbe. In Spielberg kann es andere Wetterbedingungen und Überraschungen geben. Und in Hockenheim weiß man das im Oktober auch nie. Das Pech, das ich am Samstag hatte, kann jeden ereilen. Wir können uns nicht sicher sein“, sagt Di Resta und Paffett ergänzt: „Wenn er das jedes Wochenende so macht, dann wird er nah rankommen. Sein derzeitiger Lauf ist beeindruckend. Aber ich war im zweiten Qualifying nur sechs Tausendstelsekunden langsamer als er und wir hätten gewinnen können. Dann würdet ihr mir jetzt weniger Fragen zu René stellen.“


DTM / AH


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