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DTM Finale in Hockenheim: Ein Fall für Martin Tomczyk

Tomczyk über Saisonfinale:

21.10.2017 (Speed-Magazin.de) 2011 krönte sich Martin Tomczyk als erster DTM-Fahrer im Jahreswagen zum Champion. Damals noch in Diensten von Audi, wechselte er ein Jahr später zu BMW und war Teil des Münchner Comebacks in der Championsleague der Tourenwagen. DTM.com sprach mit dem Rosenheimer über das Finale in Hockenheim, seinen langjährigen Teamkollegen Mattias Ekström und den neuen Champion René Rast.

Wie hast Du das Saisonfinale erlebt?
Sensationell, besser hätte es nicht sein können. Die Meisterschaft wurde erst im letzten Rennen entschieden. Davor hatten noch vier Fahrer die Möglichkeit, Meister zu werden. Das war vor allem für die Fans toll. Leider waren alle von Audi, aber das hat der Spannung nicht geschadet. (lacht) Das ganze Wochenende hat gezeigt, dass die DTM nach wie vor eine wahnsinnig attraktive Serie ist. Der Zuschauerzuspruch war enorm. Und dann war da noch die historische Demonstrationsfahrt der SUPER GT-Serie – das war ein Blick in die Zukunft und macht definitiv Lust auf mehr.

Mattias Ekström war vor dem Finale eigentlich schon als Meister gesetzt. Am Ende hat es dann doch nicht geklappt. Wo liegen aus Deiner Sicht die Gründe?
Da kann man nur spekulieren. Dieses Jahr hat man ganz gut gesehen, dass in der DTM nur sehr wenig Fahrer waren, die wirklich jedes Wochenende ihre Punkte eingefahren haben und zufrieden waren mit ihrem Auto. Diese Schwankungen gibt es schon seit mehreren Jahren – Samstag top, Sonntag Flop. Matthias hatte zwar mehr oder weniger die richtige Pace im Rennen, aber über das gesamte Wochenende gesehen, war die Leistung einfach nicht ausreichend, um Meister zu werden. Da sieht man, dass man sich in der DTM nie sicher fühlen darf.

Die Fahrer, und da zähle ich Dich einfach mal dazu, weil Du noch nicht so lange aus der DTM raus bist, sagen immer „Mein Auto hat nicht gepasst“. Kannst Du für Außenstehende erklären, was das bedeutet?

Rast, ein würdiger Champion
Rast, ein würdiger Champion
© DTM | Zoom
Das ist ein großes Mysterium, das Fahrern, Teams und Herstellern gleichermaßen Rätsel aufgibt. Nimm mal Hockenheim als Beispiel: Im Freien Training am Morgen, wo es noch kühl war, waren die Audi extrem schnell und BMW hinten dran. Im Qualifying am Mittag, mit höheren Temperaturen, hat der BMW besser funktioniert. Das auf den Fahrer umgemünzt: Am Samstag ist Tom Blomqvist schlechtester BMW, am Sonntag holt er die Pole. Der steigt aus, zuckt mit den Achseln und sagt: „Heute hat einfach alles zusammengepasst.“ Warum das so ist, da tun wir uns alle nach wie vor schwer, das zu erklären.

Du warst lange Zeit Mattias Teamgefährte und kannst das sicherlich einschätzen: Wurmt es ihn, dass es mit dem dritten Titel nicht geklappt hat?
Ja, ich glaube sehr sogar. Mattias hat ja mit seinem schwedischen Charme nach dem Rennen gesagt, das wäre kein großes Problem. Aber innerlich brodelte es in ihm. Er wollte diese Meisterschaft unbedingt. Das wäre für ihn die Krönung gewesen, zehn Jahre nach seinem letzten Titel. Das ist nur meine persönliche Vermutung, aber vielleicht hätte er auch nach dem Titelgewinn seinen Rücktritt aus der DTM bekannt gegeben. Dieses Gesamtpaket hatte er möglicherweise vor Augen und sein Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. Das wurmt ihn.

René Rast ist neuer Champion. Wie war seine Saison aus deiner Sicht?
Ich habe alle Rennen im Fernsehen verfolgt und habe ihm nach dem zweiten Rennen eine Nachricht geschickt, um ihm meinen Respekt zu zollen. Hut ab, was er in der DTM geleistet hat. Vor allem, weil es sein erstes Jahr war. Ich war sehr überrascht, wie schnell er Fuß fassen konnte, wie schnell er auch mit dem Auto zurechtgekommen ist. Das war damals bei Marco Wittmann vor ein paar Jahren ähnlich. Der ist zu BMW gekommen, war auf Anhieb schnell und ist nach wie vor der konstanteste Fahrer bei BMW. Renés Leistung war fantastisch, alleine wenn man mal schaut, wer seine Gegner im Kampf um die Meisterschaft waren: Eki, Rocky und Jamie. Die sind schon sehr lange dabei und wissen, wie der Hase läuft. Und dann kommt er da hin, versucht einfach nur bester Rookie zu werden und jetzt ist er Champion. Das hatte er sicherlich nicht zu träumen gewagt. Die Saison ist für ihn gut gelaufen. Er war ein konstanter Fahrer und hat sich aus den meisten Dingen rausgehalten. Die Medien haben sich eher auf Green, Ekström und Müller konzentriert. René aber hat sich nicht beirren lassen, ist einfach seine Rennen gefahren und hat gepunktet. Vor allem das Finalwochenende war beeindruckend.

Du hast das selber erlebt wie es ist, wenn man kurz davor steht, Meister zu werden. Wie groß ist die Anspannung?

Tomczyk und sein langjähriger Teamkollege Ekström
Tomczyk und sein langjähriger Teamkollege Ekström
© DTM | Zoom
René ist glaube ich nicht in das Wochenende gegangen und hat gesagt, ich werde jetzt Champion. Der Abstand in der Tabelle war für DTM-Verhältnisse groß. Und auch die Audi-interne Reihenfolge war sicherlich eher auf Mattias gepolt. René ist einfach sein Rennen gefahren und hat geschaut, wo er rauskommt. Nimm mal das Rennen am Sonntag: Du hast keinen Boxenfunk, kennst die Reihenfolge beim Rennen nicht und weißt auch nicht, was um dich herum passiert. Du kannst dich nur auf dich selber konzentrieren. Und dann fällt ihm noch dieses Startlicht in Kurve eins herunter. Das nervt dich tierisch. Er hat zwei, drei Runden versucht, das wegzureißen, dann hing ihm das Kabel im Blickfeld. Das sind Störfaktoren. Aber er hat es am Ende cool gemeistert.

Kommt vielleicht in seinem Fall hinzu, dass er schon recht erfahren ist, bereits erfolgreich war und nur verhältnismäßig spät in der DTM gelandet ist?
Dass René erfahren ist, das ist bekannt. Er hat schon viele prestigeträchtige Rennen gewonnen und war jahrelang im Sportwagen ganz vorne dabei. Ich glaube, dass es schon ein Ziel von ihm war, auch die DTM zu erleben.

Gab es für Dich sonst noch Überraschungen am Rennwochenende?
Was mich persönlich sehr gefreut hat, war die Leistung von Tom Blomqvist am Sonntag, mit der Pole. Der hatte ein richtig schweres Jahr gehabt und auch ein bisschen an sich selbst gezweifelt. Die Pole war wichtig, leider ist er dann nach einem Kontakt ausgefallen.

Hast Du Dir auch die Super GT-Fahrzeuge angeschaut?
Die habe ich mir sogar sehr genau angeschaut. Das sind tolle Autos, mit weniger Aerodynamik. Genau das, wo die DTM hin will. Ich glaube, es war ein wichtiges Signal, dass Lexus und Nissan nicht nur vor Ort waren, sondern auch gefahren sind. Ich hätte mir gewünscht, die beiden japanischen Fahrzeuge wären im Freien Training mitgefahren. Wenn das der Weg ist, freue ich mich für die DTM. Und für die Hersteller ist es toll, auch in anderen Ländern an den Start gehen zu können.

Abschließend, was steht bei Dir in nächster Zeit an?
Ich habe vor zwei Wochen in der IMSA mein letztes Rennen gefahren. In der Serie haben wir 2017 einen Sieg in Laguna Seca eingefahren. Das war ein tolles Jahr für mich in Amerika, mit neuen Rennstrecken, einem neuen Team, neuen Fahrern. Neben dem Einsatz in der IMSA war aber meine Hauptaufgabe dieses Jahr die Entwicklung von dem neuen BMW M8 GTE. Wir sind auf einem guten Weg, das Auto für Daytona Ende Januar zu rüsten. Das ist der erste Renneinsatz für das Fahrzeug. Danach geht es in der WEC und in Le Mans weiter.

Der neue M8 sieht zugegeben schon richtig gut aus...
Das ist ja nicht immer das Wichtigste. Aber in diesem Fall kann man sagen, er fährt sich auch so, wie er aussieht (lacht).


DTM / RB

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