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DTM: Ex-Champion Bruno Spengler blieb 2018 ohne Sieg

05.12.2018 (Speed-Magazin.de) Bruno Spengler ist beliebt. Bei einer Umfrage von DTM.com vor der Saison setzten die meisten Fans auf den Kanadier als den kommenden Champion. Doch bei dem BMW-Piloten war in der Saison 2018 zu oft der sprichwörtliche Sand im Getriebe. In seinem 14. Jahr in der Tourenwagenserie blieb der 35-Jährige letztlich als Gesamtzwölfter hinter den Erwartungen zurück. In den vergangenen drei Jahren reichte es für den Meister von 2012, der zudem bereits zweimal Gesamtzweiter (2006, 2007) und dreimal Gesamtdritter (2010, 2011, 2013) war, nicht mehr für einen Platz unter den ersten Zehn der Gesamtwertung.

„Natürlich kann ich mit der Saison insgesamt nicht zufrieden sein. Ich habe einen Podestplatz am Nürburgring geholt. Auch am Norisring wäre mehr drin gewesen. Dort lief es in beiden Rennen eigentlich recht gut. Klar hätte ich gern öfter auf dem Podest gestanden und auch im Titelkampf ein Wörtchen mitgeredet. Das hat dieses Jahr leider nicht geklappt, aus mehreren Gründen“, räumt Spengler gegenüber DTM.com selbstkritisch ein und fügt hinzu: „Wir hatten ein paar Mal Pech, mal hat uns die Strategie ein paar Punkte gekostet. Leider ist eine Saison schnell gelaufen. Wenn man in den ersten paar Rennen nicht viel punktet, dann ist es für den Rest der Saison auch nicht so einfach. Aber ich würde sagen, dass der zweite Teil der Saison insgesamt besser lief, und dieses Momentum muss man mitnehmen ins nächste Jahr. Da schauen wir, dass es besser läuft.“

GLEICH FÜNFMAL GING ES VOM LETZTEN PLATZ INS RENNEN

Eines der Highlights für Spengler: die Nachtrennen in Misano
Eines der Highlights für Spengler: die Nachtrennen in Misano
© DTM | Zoom
15 Siege hat Spengler bereits in seiner DTM-Zeit eingefahren. Bei 177 Rennen grüßte er 49 Mal anschließend vom Treppchen. In dieser Saison machte er hingegen eine neue, unliebsame Erfahrung. Gleich fünfmal musste er als Letzter des Feldes starten. So oft wie kein anderer Fahrer hatte er die Rote Laterne im Grid inne. „Das hatte ich schon komplett vergessen, aber jetzt erinnere ich mich wieder daran. Es ist natürlich ärgerlich, vor allem, wenn man weiß, dass man um Siege und Pole-Positions fahren kann, wenn das Auto passt und man selbst keinen Fehler macht. Man versucht herauszufinden, woran es lag. Aber es ist schwierig, wie zum Beispiel in Brands Hatch, wenn man weiß, dass man von da hinten nicht viel ausrichten kann. Die DTM liegt so nah beieinander, und viele Fahrer sind schon als Letzte gestartet, weil irgendetwas nicht ganz gepasst hat. Das kann schnell passieren. Wenn es nicht perfekt läuft, stehst du auf Startplatz 15, 16, 17 oder 18. Man muss einfach von jeder Seite schauen, was man verbessern kann, damit so etwas nicht mehr passiert.“

RABENSCHWARZE RENNSTUNDEN IN BRANDS HATCH
Ausgerechnet in der englischen Grafschaft Kent erlebte Spengler in diesem Jahr ein paar rabenschwarze Rennstunden. Zwischen 2006 und 2013 fanden im Südosten Londons bereits acht DTM-Rennen statt. Spengler war immer am Start – und dies äußerst erfolgreich. Er war nie schlechter als Platz sieben und sogar drei Mal Zweiter. Doch 2018 ging bei ihm in Brands Hatch alles schief. Er wurde 14. und 17. „Das war der Tiefpunkt, weil wir das ganze Wochenende über ein großes Problem am Auto hatten, das wir nicht lösen konnten. Leider war ich dadurch über das ganze Wochenende immer auf den letzten vier Plätzen. Das war sehr enttäuschend. Dass wir das Problem während des Wochenendes nicht gefunden haben, war natürlich bitter, weil wir deshalb nie vorne mitmischen konnten.“

Nicht nur in den Rennen, auch im Kampf um die beste Ausgangsposition hatte Spengler in dieser Saison Aufholbedarf. Hinter Bernd Schneider (25) und Mattias Ekström (20) ist er in der ewigen Statistik der DTM der Fahrer mit den meisten Pole-Positions. In dieser Saison gab es im Qualifying für ihn gerade mal einen Punkt für Platz drei am Samstag am Lausitzring. „In einem Qualifying muss alles passen, alles muss perfekt sein. Man schafft keine Pole-Position ohne perfektes Auto, und man schafft sie auch nicht, wenn man selbst keine saubere Runde hinbekommt. Es ist ein 50:50-Paket. Es war einfach so, dass die kleinen Details nicht immer gepasst haben. Allgemein war für uns bei BMW dieses Jahr aber auch schwierig im Vergleich zum Beispiel zu Mercedes. Mercedes hat im Qualifying und im Rennen unheimlich performt, und am Ende der Saison war Audi sehr stark. Es hat wohl daran gelegen, dass wir im Vergleich zur Konkurrenz nicht stark genug waren.“

IN DER EIFEL DREHTE SPENGLER ORDENTLICH AUF

Trotz Rückschlägen stets smart: Bruno Spengler
Trotz Rückschlägen stets smart: Bruno Spengler
© DTM | Zoom
Wo Schatten ist, ist bekanntlich aber auch Licht. In der Eifel zeigte der BMW-Pilot sein ganzes Potenzial und er spielte seinen großen Erfahrungsschatz mit den Plätzen zwei und vier am Nürburgring eindrucksvoll aus. „Dieses Wochenende gehört auf alle Fälle zu meinen Highlights. Am Samstag bin ich auf das Podium gefahren, und am Sonntag war ich ebenfalls nah dran. Wir haben an diesem Wochenende gut gepunktet. Auch der Norisring war cool, auch wenn ich ein bisschen enttäuscht war, weil ich nicht aufs Podium kam oder gewonnen habe. Und die Nachtrennen in Misano haben mir gut gefallen. Es war etwas Anderes und etwas ganz Neues. Es war natürlich nicht einfach, aber es hat mir großen Spaß gemacht, bei wechselhaften Bedingungen in der Nacht zu fahren.“

HART ABER FAIR IST SEIN MOTTO AUF DER STRECKE
Zumindest eines war konstant bei dem Kanadier in diesem Jahr: Dass Spengler abseits der Strecke stets charmant und sympathisch auftritt, ist hinlänglich bekannt. Doch auch bei den Duellen Tür an Tür bleibt Spengler allzeit ein Gentleman. Neben Gary Paffett und Loïc Duval war er der einzige Pilot, der von der Rennleitung keine Verwarnung kassierte. „Ich glaube, das war nicht das erste Jahr, in dem das bei mir der Fall war. Ich versuche immer, mich aus dem Trouble rauszuhalten, denn es ist einfach nicht mein Stil, Leute von der Strecke zu pushen. Wenn mir gegenüber jemand auf der Strecke aggressiv unterwegs ist, dann gebe ich das natürlich zurück. Aber ansonsten versuche ich, hart, aber fair zu sein. Mein Ziel ist einfach, fair nach vorn zu fahren. Manchmal schafft man das, manchmal nicht. Doch in den vergangenen Jahren war ich immer recht ‚trouble-free‘. Ich klopfe auf Holz – hoffentlich geht es weiter so.“


DTM / RB


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